Teil 2 : Eine unerwartete Einladung





Das Symposium in Edinburgh war vorbei.

Die letzten Gespräche verklangen in den Fluren, Namensschilder verschwanden in Taschen, Türen fielen ins. Ich war müde. Mehrere Tage voller Vorträge, Diskussionen und wissenschaftlicher Gespräche lagen hinter mir.

Eigentlich wollte ich nur noch zurück ins Hotel.

Da sprach mich ein junger Mann an.

Ich hatte ihn während des Symposiums schon einige Male gesehen. Er war mir aufgefallen, ohne dass ich hätte sagen können, warum. Vielleicht wegen seiner ruhigen Art. Vielleicht wegen des Namens auf seinem Schild.

MacLeod.

Er kam ohne Umschweife zur Sache.

Seine Familie habe von mir gehört, sagte er. Von meiner Arbeit. Von meinem Auftreten während des Symposiums. Und jemand wünsche mich kennenzulernen.

Ich war irritiert.

„Mich?“

Er lächelte.

„Ganz besonders Sie.“

Mehr sagte er zunächst nicht.

Die Einladung führte nicht zu einem weiteren wissenschaftlichen Empfang in Edinburgh. Sie führte hinaus aus der Stadt.

In die Highlands.

Am nächsten Morgen wartete vor meinem Hotel ein Wagen.

Ein Rolls-Royce.

Für einen Augenblick blieb ich auf dem Bürgersteig stehen und betrachtete ihn. Das Ganze erschien mir inzwischen reichlich ungewöhnlich. Ich war Chemikerin. Ich arbeitete in der medizinischen Forschung. Mein Alltag bestand aus Laboren, Besprechungen, Daten und Entscheidungen.

Und nun stand vor einem Hotel in Edinburgh ein Rolls-Royce und wartete auf mich.

Der Fahrer öffnete die Tür.

Wir verließen die Stadt.

Je weiter wir nach Norden kamen, desto stiller wurde die Landschaft. Straßen zogen sich zwischen Hügeln hindurch. Wasserflächen erschienen zwischen dunklen Hängen. Der Himmel hing tief über den Highlands.

Irgendwann hörte ich auf, über den Grund dieser Reise nachzudenken.

Dann erreichten wir die Isle of Skye.

Die Straße wurde schmaler. Die Landschaft wirkte rauer, beinahe zeitlos.

Schließlich sah ich vor uns ein altes Schild am Weg.

Darauf stand:

DUNVEGAN CASTLE
Stammsitz der Chiefs des Clan MacLeod

Ich las die Worte zweimal.

Der Rolls-Royce bog ab.

In diesem Augenblick ahnte ich noch nicht, dass diese Reise mit meiner Arbeit als Chemikerin kaum noch etwas zu tun haben würde.

Und dass in Dunvegan jemand auf mich wartete, der glaubte, mich längst zu kennen.



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